[Anzeige]
Eine Diagnose im Erwachsenenalter bringt oft eine Mischung aus Erleichterung und später Trauer mit sich. Als ich vor drei Jahren meine ADS-Diagnose erhielt, fielen mir rückblickend unzählige Puzzleteile meines bisherigen Lebens vor die Füße. Plötzlich bekamen alte Mosaiksteine – das ständige innere Chaos, die Erschöpfungsphasen, aber auch der schier unerschöpfliche Ideenreichtum – einen konkreten Namen. Das Buch „AD(H)S in der zweiten Lebenshälfte“ von Dr. med. Astrid Neuy-Lobkowicz war für mich genau zur richtigen Zeit eine wertvolle Orientierungshilfe.
Ein empathischer Blick auf spätes Erkennen
Astrid Neuy-Lobkowicz nähert sich dem Thema mit spürbarer fachlicher Expertise und tiefem menschlichem Verständnis. Sie beleuchtet, wie sich die Symptomatik verändert, wenn Alltag, Beruf und persönliche Umbrüche zusammentreffen. Für Spät-Diagnostizierte wird schnell greifbar: Ein unentdecktes ADS prägt Jahrzehnte des eigenen Selbstbildes – meist begleitet von dem Gefühl, sich doppelt so stark anstrengen zu müssen wie andere.
Die Kernpunkte des Buches
Erkenntnis statt Selbstvorwurf: Das Buch hilft dabei, den Blick auf die eigene Vergangenheit zu versöhnen. Man lernt zu verstehen, warum bestimmte Abläufe kraftraubender waren, ohne sich rückwirkend Unzulänglichkeiten vorzuwerfen.
Lebensphasen im Fokus: Anders als klassische Ratgeber richtet sich das Werk gezielt an die Herausforderungen ab der Mitte des Lebens – sei es die nachlassende Belastbarkeit, hormonelle Umstellungen oder die Frage nach passenden Strategien für den Beziehungs- und Arbeitsalltag.
Konkrete Ansätze: Neben medikamentösen Behandlungsoptionen bietet die Autorin lebensnahe Anstöße für Struktur, Selbstakzeptanz und den Umgang mit Reizüberflutung.
Mein Fazit
Das Buch ist weit mehr als ein medizinischer Ratgeber. Es ist eine verständnisvolle Hand auf der Schulter. Wer die eigene Diagnose erst im Erwachsenenalter erhalten hat, findet hier wertvolle Bestätigung, Klarheit und den nötigen Schwung für den weiteren Weg.